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Artikel De Gustibus

De Gustibus 2025

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Eine moderne Interpration der Zuppa Ingelese

In der altwürdigen Gelateria Giolitti hinterm Parlament in Rom gibt es jeden Eisgeschmack zu kriegen. Einer den ich immer schon kurios fand ist zuppa inglese, wörtlich englische Suppe. Es ist eigentlich kein Eis, und erst recht keine Suppe, sondern ein in Zentralitalien typisches Dessert. Die Grundlage bilden Biskuits, die mit Likör beträufelt werden. Im Unterschied zum espressohaltigen venezianischen Pendant, dem Tiramisu, wird die zuppa meist mit Vanillecreme angerichtet, die mit kandierten Früchten vermischt wurde. Die Sache mit der Suppe kommt vom Einweichen der Biskuits in Likör, auf Italienisch inzuppare. Bleibt das Rätsel mit der englischen Herkunft. Historiker machen sich seit Jahrhunderten einen Kopf darüber, ich auch, während ich mein Eis schlecke. In England gibt es keine Dokumentation zum Rezept. Die Franzosen flüstern, die Bretagne könnte vielleicht damit zu tun haben, sie liegt ja nah genug an der Insel im Norden. Sie sollten aber lieber still sein, denn gegen Ende des Neunzehnten Jahrhunderts taucht das Rezept in der ‚Bibel‘ der italienischen Küche von Pellegrino Artusi auf, La scienza in cucina e l’arte di mangiar bene. Die wahrscheinlichste Theorie geht sogar auf fast hundert Jahre vorher zurück, und zwar auf den römischen Konditor Agnoletti, der ein schon bekanntes Rezept modifizierte. Dem italienischen Likör Alchermes zog er Rum vor, und der wurde aus England importiert, also inglese. Es gibt aber noch wildere Theorien, eine besagt, dass im Elisabethanischen Zeitalter zusammen mit der Renaissance auch das ein oder andere Rezept von Süden gen Norden ging. Daraus machten die Engländer trifle, das gibt es immer noch und es ähnelt tatsächlich ein bisschen einer Suppe, auch wenn den Fotos zu urteilen keiner besonders leckeren. Schon Lord Byron, der in Ravenna die echte zuppa kostete und vor Genuss die Stadt nicht mehr verlassen wollte, ließ sich mit Ekel darüber aus. So oder so ist die zuppa weder flüssig noch inglese, sondern italiana, italianissima, wie die Mona Lisa und wirklich köstlich, sogar als Eisversion bei Giolitti hinterm Parlament. Damiano Femfert

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