In eigener Sache 2026
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Drei monumentale Italiener haben uns jüngst verlassen. Monumentum war für die alten Römer die Erinnerung, die Würdigung eines Vermächtnisses, das bleibt und Licht ins Leben bringt. In diesem Sinne möchte ich mich an drei Menschen erinnern, deren Leben uns bereichert hat. Jorge, geboren 1937 in Buenos Aires, war der Sohn von Einwanderern aus dem Piemont. 2013 wurde er als erster Nicht-Europäer seit über 1000 Jahren Papst in Rom. Er wählte den Namen Franziskus, nach dem Heiligen von Assisi, der es wagte der Opulenz der Kirche zu trotzen. Nach dem intellektuellen Benedikt, dessen Latein so floss wie seine Muttersprache, kam der Papst des Volkes.
Er wählte eine einfache Wohnung neben der offiziellen Residenz, schaffte die roten Prada-Schuhe ab und befreite sich von allen Insignien der Macht. Trotzdem lobte er die Freude des Lebens: „Der Wein ist ein Geschenk des Gottes, das Freude gibt“. Seine Assistenten versuchten verzweifelt, ihn entsprechend seines Status zu kleiden, doch irgendetwas war immer schief: Das Weißkäppchen saß schepp auf dem päpstlichen Haupte, die Ornamente hingen am falschen Platz und die abgetragenen Schuhe stachen ins Auge. Aber sie brachten ihn weit, bis nach Lesbos und Marseille (nie nach Paris), immer dahin, wo es brannte. Er erhob seine Stimme gegen Netanjahu, Putin und Trump und fand gleichsam die Zeit, unangemeldet an der Tür der einfachen Römer zu klingeln: „Wer ist da?“ – „Ich bin es, der Papst“, antwortete er. „Ja, und ich bin die Königin von England“, erwiderte die alte Frauenstimme hinter der verschlossenen Tür, bis sie überzeugt werden konnte und vor dem Papst auf die Knie fiel. Zu seinem Optiker fuhr er im FIAT 500 und auch seine letzte Reise in die Basilika Santa Maria Maggiore ließ er einfach gestalten: Ein unauffälliger Sarg aus Fichtenholz, während im Hintergrund die Kardinäle schon um den nächsten Papst feilschten.
Derselben Generation gehörte ein Mailänder an, der die Modewelt in ihren Grundfesten erschütterte und einen neuen, puristischen Stil etablierte. Giorgio Armani, 1935 in der flachen Ebene der Lombardei geboren, schuf eine nüchterne, lineare Mode, die die Mentalität seiner Heimat widerspiegelte. „Greige“ wurde seine Lieblingsfarbe genannt, eine Mischung aus grau und beige. Perfekte Schnitte, ausgeglichene Proportionen, figurbetont aus noblen Materialien. „Gute Arbeit kann weit bringen“, sagte Armani, als er für sein Lebenswerk an der Cattolica Universität in Mailand mit einem Ehrendoktor geehrt wurde. Berühmt wurde der Designer über Nacht, als er 1980 den jungen Richard Gere in „American Gigolo“ komplett ausstaffierte. Eigentlich hatte er die Kollektion für John Travolta gefertigt, der für die Hauptrolle vorgesehen war, aber kurzfristig absagte und durch den wesentlich schmächtigeren Richard Gere ersetzt wurde. In einer Nacht designte Armani die komplette Kollektion neu und aus Giorgio who? wurde The King. Der Mythos der italienischen Mode war geboren. Seinem leisen Stil blieb er treu: „Die Mode geht, der Stil bleibt“, pflegte er zu sagen. Er war der Erste, der ins Atelier kam und der Letzte, der das Licht ausmachte. Begraben ist Giorgio Armani auf einem kleinen Hügel in Rivalta, seinem Geburtsort. Nicht weit entfernt seine Lieblingstrattoria „Da Falco“, die bäuerliche Küche kredenzt: Anolini in Kapauenbrühe und Tortelli mit Ricotta und Spinat waren seine Lieblingsspeisen.
L’ultimo Imperatore, der letzte Kaiser, so nannte ihn die Welt, wurde 1932 in Voghera in der Lombardei geboren, ging aber sehr früh nach Rom: Die Stadt, die er liebte und deren Opulenz sich in seiner Mode widerspiegelte. Mit seinem Abschied 2026 schließt sich ein Zyklus und endet eine Epoche. Valentino Garavani, einfach Valentino genannt, war der visionäre Modeschöpfer, der am besten die furiose Fantasie der Italiener, immer auf der Suche nach der ,Bellezza, repräsentierte. Er wurde berühmt für seine Raffinesse gepaart mit schockierenden Farben und den komplexen Kreationen seiner Stoffe: Wie die Seiten eines offenen Buchs auf einem weißen Kleid oder das Wort PACE, Frieden, während des Golfkrieges in vierzehn Sprachen auf eine Tunika gestickt. Er kreierte das berühmte „Rosso Valentino“, eine Mischung aus Magenta, Purpur, Cadmium, mit dem er die Celebrities der Welt verzückte: Rot für Lady Di, purstes Weiß für Jackie Kennedy, Gold-Schwarz für Sophia Loren. „Eleganz ist das Gleichgewicht zwischen Proportionen, Gefühlen und Überraschung“, pflegte er zu sagen, er, der die Geschichte der Schönheit mit Nadel und Faden schrieb. Vom Schönheitsideal besessen kreierte er für Filme, Opern, Theater, bis er Adieu zu Glanz und Glamour sagte: „Man muss das Fest verlassen, wenn noch viele da sind.“
Stefania Canali


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